Immobilienverband IVD Mitte

IVD Mitte in China

China: Ein Land zwischen Moderne und Tradition

Mit dem IVD Mitte-Kooperationspartner RDB - Reisedienst Bartsch GmbH aus Bad Honnef reiste unser langjähriges Mitglied aus Eppstein-Ehlhalten, Jürgen Kauss "Der Immobilien-Profiler", im November letzten Jahres mit Kollegen ins Reich der Mitte. Hier nun sein Bericht mit außergewöhnlichen Bildern von außergewöhnlicher chinesischer Architektur:

Zwischen Tradition und Moderne gefangen scheint das bevölkerungsreichste Land der Erde. Eine Reisegruppe hat diesen Spagat in Bezug auf Kultur und Immobilien im November 2018 ergründet – ein Reisebericht:

Nach zehn Stunden Flug trennten uns nur noch wenige Höhenmeter von dem Land, in dem über eine Milliarde Menschen leben. Ein Blick aus dem Fenster vor der Landung ließ bereits erahnen, was auf uns wartete: Eine unvergleichliche Mischung aus Vierteln mit Hochhausschluchten und Traditionsplätzen in dem typischen, unvergleichlich chinesischen Baustil. Eine Mischung aus Tradition und Moderne, die uns in den Städten Peking, Louyang und Xi’An erwartete und uns zu jeder Zeit vor Augen geführt werden sollte.

Gleich auf der Fahrt zum Hotel passierte der Reisebus zahlreiche chinesische Tempel auf der einen, und Hochhausdistrikte auf der anderen Seite, die an die Hochhausschluchten von New York erinnerten – kein Wunder, boten doch moderne, westliche Baustile den größten Einfluss auf das Gros der Architekten. Das erste Reiseziel, der große Markt Pekings, spiegelte diesen Eindruck ebenfalls sogleich wider: Direkt neben der modernen Einkaufsstraße, die nur so gespickt war von chinesischen und westlichen Geschäften aller Art, befand sich der traditionelle Markt, auf dem Bratstände frittierte Skorpione, Spinnen und Echsen zum leiblichen Wohl anboten.

An der großen Mauer bot sich ein ähnliches Bild. Das rund 8000 Kilometer lange Wahrzeichen als Sinnbild für die chinesische Vergangenheit lockt zahlreiche Touristen in die Nähe Pekings, so zum Beispiel in die „Commune by the Great Wall“, einer Ansammlung von Villen. Fast schon wahllos platziert wirken die Gebäude im Waldstück nahe der Mauer. Zwar erscheinen sie von außen mit modernem Design und Denkansätzen architektonisch interessant. Betritt man die Häuser aber, so bietet sich ein anderes Bild: Spartanische Inneneinrichtung, die keiner klaren Linie zu folgen scheint und kaum Atmosphäre aufkommen lässt, sowie offensichtliche Makel in der Verarbeitung, Konstruktion und Pflege. Rund 2.000 Euro pro Tag kostet die Anmietung einer solchen Luxusvilla umgerechnet. Ausgelastet sind sie allerdings nicht durch westliche, sondern vornehmlich chinesische Touristen, deren Luxusvorstellungen hier erfüllt werden.

Ähnlich viele Touristen finden sich am Platz des himmlischen Friedens, dem größten befestigten Platz der Welt. Er bietet mit dem Mausoleum Maos sowie der Verbotenen Stadt, die real die Eindrücke der zahlreichen Fotos noch einmal übertrifft, zwei der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Zusammen mit den Gebäuden der Altstadt sowie dem Himmelstempel verdeutlichen sie die Seite der Medaille Chinas, die die Vergangenheit symbolisiert und auch am ehesten mit der Identität des Landes in Verbindung gebracht wird. Ob die hunderttausenden Buddha Statuen der Longmen-Grotten, Teezeremonien oder Chao Lin Darbietungen in Mönch-Klöstern – all dies zählt auch heute noch zur fundamentalen DNA Chinas.

Ebenso essentiell für die Identität des Landes ist aber auch die andere Seite der Medaille, die die Moderne repräsentiert. Parks und Seen, die die traditionellen Gebäude umrahmen, sind oft vollends künstlich angelegt. So auch der Olympiapark mit dem Olympiastadion, das sich durch sein Aussehen den Spitznamen „Vogelnest“ verdient hat. Die Miniatur-Version Pekings im Stadtmuseum beweist bereits eindrucksvoll, dass Bürogebäude und Wohnvierteln aus Hochhauskomplexen das Stadtbild ebenso prägen wie die Tradition. Überall werden neue, moderne Bauprojekte realisiert – ermöglicht durch die weniger konsens- und regelbasierte lokale Bürokratie mit daher für westliche Verhältnisse unglaublich kurzen Bauzeiten. Stadtviertel werden visionär und modern geplant und zeitnah umgesetzt, sodass es bereits so wirkt, als sei China im Laufschritt mit der westlichen Welt – beinahe sogar schon auf der Überholspur. Nicht verwunderlich, dass sich die Reisegruppe einen Spaß daraus machte, den geplanten Südflughafen der Stadt mit dem Berliner Flughafen BER zu vergleichen.

Im Zeichen der Reise stand aber vor allem auch der Austausch mit chinesischen Fachkollegen. Mindestens genauso interessiert an der europäischen bzw. deutschen Immobilienindustrie waren die Vertreter des Unternehmens Lianjia, die die Reisegruppe in deren persönlichem Hochhaus besuchte. Bei Vorstellung des Immobilienverbands Deutschland (IVD) durch Jürgen Kauss vom IVD-Mitte (Frankfurt) zeigten sich die Größenunterschiede der Branche in beiden Ländern. Lianjia existiert erst seit 17 Jahren, ist aber bereits das größte private Immobilienunternehmen in ganz China, hat tausende von kleineren Niederlassungen in über 28 Städten. Über ein Overseas Brokerage Department sind sie bereits in mehrere benachbarte Länder sowie nach Übersee expandiert, auch nach Deutschland. In der Regel geschieht dies in Kooperation mit lokalen Partnern, die die eindrucksvolle Größe des Unternehmensnetzwerkes untermalen. Alleine über 2000 Makler sind in Peking angestellt, wo sich der Hauptsitz des Unternehmens befindet, um die 22 Millionen Einwohner zu erreichen und zu betreuen. Interessanterweise ist die Marktgröße damit mit knapp 11000 Personen pro Makler allerdings sehr ähnlich mit der der deutschen Branchenkollegen.

Kulturellen Abschluss des Programms bildete der Besuch der Terrakotta-Armee des Kaisers Qín Shǐhuángdìs. Zu Hunderten stehen die grau-beigen Tonfiguren in Reih und Glied beisammen, jeder einzelne mit einzigartigem Gesicht und Uniform. Rund ein Viertel der Achttausend Soldaten ist bisher ausgegraben und in einer Sisyphusarbeit anschließend zusammengesetzt und restauriert worden. Die Armee wächst also stetig weiter, beeindruckend in ihrer Größe und Masse, wie vieles, dass wir in den letzten Tagen gesehen hatten.

 

Die Eindrücke, die wir während der Reise erhalten haben, werden die gesamte Reisegruppe sicherlich noch lange begleiten. Das Zusammenspiel von Tradition und Moderne in China ist nur schwer mit den Erfahrungswerten aus Deutschland und Europa zu vergleichen. Gerade in der Immobilienbranche hat sich China in den letzten zwanzig Jahren radikal weiterentwickelt und weist, trotz starken westlichen Einflüssen, fundamentale Unterschiede auf. Gerade im Hinblick auf steigende Investitionstätigkeiten chinesischer Firmen in Deutschland und Europa sind diese Differenzen allerdings kein Grund zur Besorgnis. Vielmehr sind sie ein Anlass, um das Gegenüber verstehen und voneinander lernen zu können.

 

Verfasser des Berichts:
Adriana Kauss, Alexander Kauss
Mitarbeiter im Immobilienbüro
„Der Immobilien Profiler“
Dipl.-Ing. Jürgen Kauss
Königsteiner Str. 14, 65817 Eppstein

Fotos: Jürgen Kauss, Adriana Kauss

Kommentare sind geschlossen.